Der Weihnachtsartikel 2016 des Osterhofener Anzeigers beschreibt sehr gut und mit Daten und Fakten unterlegt unsere Arbeit und wie wir uns für Kinder und Familien in Osterhofen einsetzen, die vom Schicksal nicht so begünstigt sind. Hier geht’s zum Artikel.

 

Kinderschutzbund Osterhofen stellt sein Tun und Handeln in den Dienst Bedürftiger

Osterhofen.(jr) Angesichts der alljährlich in der Advents- und Vorweihnachtszeit einsetzenden Engels-Flut werden öfters auch kritische Stimmen laut. Engel, das sei heute oft nur noch Kommerz. Schokoladenengel, Pappengel oder Plastikengel, als vorweihnachtlicher Dekorationsartikel sind sie überall zu sehen, im Schaufenster, als Werbefigur oder am Christbaum als Schmuck. Sind Engel also nichts anderes als Dekoration und nur Pflichtprogramm für die alljährlich, wie auf Knopfdruck ausbrechende vorweihnachtliche Rührseligkeit und schier programmierte Hilfsbereitschaft?

Engel in Menschen können in tiefem Leid trösten, haben Zeit zum Zuhören, öffnen ihre Türen und Herzen, wenn andere die Einsamkeit nicht aushalten können, sind sie aufopferungsvoll für die Mitmenschen da. Echte, wahre Engel sind keine Fabelwesen und haben keine Flügel. Sie haben tatkräftige Hände und eine große Portion Idealismus in sich. Es gibt Menschen, die sind mehr als nur Engel zu Weihnachten. Sie opfern sich das ganze Jahr über auf, um Gutes zu tun und geben niemals auf. Beispiele für engelhaftes Verhalten gibt es nicht nur in der Welt der Märchen und Legenden. Es sind außergewöhnliche Menschen, denen man auf der Suche nach Osterhofens wahren Weihnachtsengeln begegnet. Nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über sind sie Engel ohne Flügel und mit viel, sehr viel Herzblut bei ihrem Tun. Es sind Menschen, die das Rampenlicht meiden und sich nicht in den Vordergrund drängen, weil sie für die Arbeit, die sie leisten, keine Anerkennung oder Aufmerksamkeit wollen. Es sind Mitarbeiter des Kinderschutzbundes Osterhofen, die ihr ganzes Tun und Handeln aus vollster Überzeugung in den Dienst bedürftiger und von der Gesellschaft und Politik Vernachlässigter stellen. Menschen, die nicht auf der oft so gepriesenen Sonnenseite des Lebens stehen. Über das Engagement des Kinderschutzbundes Osterhofen sei an dieser eine fiktive Unterhaltung erzählt, die das Wirken des Kinderschutzbundes besser nicht darstellen könnte.

Kind eins (acht Jahre): „Bin ich froh, dass es den Kinderschutzbund gibt. Meine Mama und ich gehen da ganz oft hin, dort gibt es immer etwas für mich. Mama findet dort schöne Kleidung für mich und meine kleinen Geschwister. Erst letzte Woche habe ich eine ganz tolle Winterjacke und Winterstiefel bekommen und jetzt ist es mir auf dem Schulweg endlich nicht mehr so kalt. Unser Baby hat einen fast neuen Kinderwagen bekommen, auch für die Babynahrung und die Windeln hat der Kinderschutzbundgesorgt. Mama kann sich dort auch immer mit anderen Müttern unterhalten, wir spielen dann in dieser Zeit. Danach geht es Mama meistens ein bisschen besser. Manche Mamas helfen dort auch, die Kleidung, die gespendet wird, zu sortieren und schön einzuräumen.“ Kind zwei (zehn Jahre): „Ja, uns haben die netten Leute vom Kinderschutzbund auch ganz viel geholfen. Weißt du, bei uns zu Hause war es gar nicht mehr schön. Mama und Papa haben nur noch gestritten, sich viel angeschrien und manchmal, wenn Papa zu viel getrunken hat, gab es auch Schläge für Mama und für uns. Mama hat nur noch geweint. In der Nacht hat sie bei uns geschlafen und die Kinderzimmertür ganz fest verschlossen, damit Papa nicht mehr rein konnte. Mein kleiner Bruder, er geht noch in den Kindergarten, war ganz verstört, wollte nichts mehr essen und hat angefangen, mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen. Er wollte auch nicht mehr mit Mama kuscheln und wenn Papa angefangen hat zu schimpfen, hat er sich immer unter dem Bett versteckt. Ich habe auch ganz viel Angst gehabt und versucht, Mama zu beschützen. Aber das ging nicht, Papa ist viel stärker.“ Kind drei (zwölf Jahre): „Und was hat deine Mama dann gemacht?“ Kind zwei: „Irgendwann konnte Mama nicht mehr und hat den Leuten beim Kinderschutzbund erzählt, was bei uns zu Hause los ist. Sie wollte weg von Papa, aber sie hat sich nicht getraut, weil sie nicht wusste, wie es dann weitergehen soll. Sie hatte sehr viel Angst, dass Papa dann ganz wütend wird und was Schlimmes passiert. Beim Kinderschutzbund konnte Mama dann erst einmal alles erzählen. Dort hat man ihr zugehört und gesagt, dass es eine Lösung geben kann. Die Leute vom Kinderschutzbund haben ihr ganz viel Mut gemacht und auch eine andere Dame vom Frauennotruf dazu geholt. Diese Frau ist eine Spezialistin für solche Probleme wie bei uns und die hat dann zusammen mit den Frauen vom Kinderschutzbund dafür gesorgt, dass es bei uns wieder besser wird. Papa musste ausziehen und die Polizei hat gesagt, er darf uns nicht mehr zu nahe kommen. Die Damen vom Kinderschutzbund und vom Frauennotruf waren immer für Mama und uns da und haben uns gezeigt, was wir tun sollen. Mama musste ganz viele Papiere ausfüllen und auf viele Ämter gehen, aber dabei ist sie immer unterstützt worden.“ Kind eins: „Und wie geht es euch jetzt?“ Kind zwei: „Jetzt geht es uns wieder ganz gut. Mama und wir wohnen alleine in unserer Wohnung. Papa kommt uns manchmal mit einem Begleiter besuchen. Vom Jugendamt kommt eine freundliche Frau, die Mama immer weiter hilft. Zum Jugendamt ist Mama auch gegangen, weil die Frauen vom Kinderschutzbund ihr das geraten haben, dort hat sie viel Hilfe bekommen. Wir können wieder beruhigt schlafen, mein kleiner Bruder hat keine Angst mehr und isst auch wieder normal. Bei mir sind die Schulnoten wieder besser und ich muss mich nicht immer um Mama sorgen.“ Kind drei: „Das ist ja toll, so viel Unterstützung habt ihr bekommen.“ Kind zwei: „Ja, das stimmt. Warum gehen Deine Eltern eigentlich hierher zum Kinderschutzbund?“ Kind drei: „Meine Eltern haben ganz große Sorgen wegen dem Geld. Mein Papa war arbeitslos, weil er krank geworden ist und nicht mehr den ganzen Tag arbeiten kann. Deshalb müssen meine Eltern zum Jobcenter gehen. Dort ist es meistens sehr schwierig, es müssen viele Papiere ausgefüllt werden und immer ist irgendetwas nicht in Ordnung. Obwohl sich meine Eltern sehr bemühen und immer alles hinbringen, was die Angestellten dort haben wollen. Jetzt ist es ganz schwierig geworden, weil Papa eine Teilzeitarbeit angenommen hat. Die Leute von Jobcenter haben uns dann gar kein Geld mehr gegeben, weil alles neu berechnet werden muss. Das dauert mindesten sechs Wochen, vielleicht auch länger. In dieser Zeit haben wir gar kein Geld und meine Eltern wissen nicht, wie sie alles bezahlen sollen. Wir sind zwei Kinder und ein Geschwister ist gerade erst auf die Welt gekommen.“ Kind zwei: „O je, und was machen Deine Eltern jetzt?“ Kind drei: „Sie haben beim Kinderschutzbund nach Hilfe gefragt. Von dort wurden die Kosten für die Schule und unsere Schulsachen geregelt, so dass wir in der Schule keine Schwierigkeiten mehr hatten. Auch die Spezialnahrung für unser kleines, krankes Geschwisterchen konnten wir kaufen und die Lebensmittel, die es bei der Tafel nicht gibt. Am wichtigsten war, dass die Frauen vom Kinderschutzbund wussten, wo unsere Eltern Hilfe bekommen, damit das Jobcenter das Geld bezahlt, das wir eigentlich bekommen müssen. Mama und Papa haben sehr viel Angst, weil wir unsere Miete nicht mehr bezahlen können. Wir Kinder verstehen das alles nicht so gut, aber Eltern können vor lauter Sorgen gar nicht mehr richtig mit uns spielen und Mama ist oft sehr verzweifelt. Der Kinderschutzbund hat dann unseren Eltern einen Rechtsanwalt empfohlen, der hilft Leuten wie uns. Da wurde auch gleich ein Termin für uns ausgemacht. Der Rechtsanwalt hat gesagt, die Mitarbeiter vom Jobcenter haben nicht richtig gehandelt und er wird uns helfen. Jetzt ist zwar auch noch nicht alles gut, weil das Jobcenter immer noch nicht bezahlt, aber wir wissen wo wir hingehen können, wenn es ganz schlimm wird. Mama sagt, ohne den Kinderschutzbund hätte sie nicht mehr weiter gewusst.“ Kind zwei: „Ja, das hat meine Mama auch schon mal gesagt. Gut, dass es den Kinderschutzbund in Osterhofen gibt. Da bekommen unsere Eltern und wir Hilfe, wenn es einmal ganz schwierig wird.“

Beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Bildung oder Hobbies, für rund zwei Millionen Kinder und ihre Familien in Deutschland ist das bittere Realität. Trotz guter Wirtschaftslage wuchs die Zahl der Hartz IV–Empfänger. Auch Familien in Osterhofen sind betroffen. Dazu fehlt leider oft mangelnde behördliche Unterstützung und Sorgfalt, wie das Gespräch dieser drei Kinder zeigt.

Fakten zum Kinderschutzbund:
– rund 5000 ehrenamtlich geleistete Stunden
– etwa 12000 Euro direkte Hilfen an Familien in Form von Unterstützung (Lebensmittel, Ausstattung für Kinder, Kostenübernahmen in finanziellen Notlagen, wie zum Beispiel Schulkosten)
– Weihnachtsaktion mit einem Volumen von 2500 Euro
– Erweiterung der Öffnungszeiten regelmäßig zweimal wöchentlich und dreimal vierzehntägig
– rund 50 betreute Familien mit rund 120 Kindern in der Kleiderkammer
– Fälle häuslicher Gewalt in Zusammenarbeit mit dem Frauennotruf: vier Familien mit zehn betroffenen Kindern
– 180 Beratungsgespräche in 60 Terminen, durchschnittlich drei pro Öffnungszeit
– Nothilfen bei elf Familien mit 22 Kindern wegen jeweiligen Zahlungsverzug des Jobcenters
– 300 Stunden bei Lerngruppen für Kinder mit Migrationshintergrund – 3000 Euro für Schuljahresanfangsaktion und Unterstützung bei schulischen Kosten
– 1500 Euro für eigene (Familien aber kostenfreie) Ausfahrten
– Mit vier Aktionen am Ferienprogramm der Stadt beteiligt
– je 100 Euro für sechs Schultaschen für Schulanfänger
– Kooperationstreffen mit Schwangerenberatung, Frauennotruf und Schulsozialarbeit
– Telefonische Kontakte mit Rechtsanwälten, Beratungsstellen, Schulen und anderen Kooperationspartnern
– Teilnahme und Ausrichtung von Regionaltreffen des Landesverbandes und Teilnahme am Sozialempfang der Bayerischen Staatsregierung in Straubing
– Antrag an die Stadt Osterhofen zwecks Einrichtung eines Sozialbüros, bis jetzt mit einem Sozialarbeiter, zu dem die Stadt bis jetzt noch keine Rückmeldung gegeben oder Entscheidung getroffen hat.

Hier steht der Artikel als PDF zum Download bereit:

Weihnachtsartikel Osterhofener Anzeiger 2016